Prolog
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Prolog
von Marina am 13.01.2013 10:12 Prolog
Die durcheinander geratenen Zweige der Bäume wiegten sich im gleichmäßigen Rhythmus der rauschenden Windzüge, als würden sie ganz schwer ein - und ausatmen. Immer wieder. Beinahe wie funkelnde Kristalle schien das knappe Mondlicht auf die winzigen Morgentautröpfchen herab, die sich auf den unzähligen Blättern angesammelt hatten. Doch das Licht besaß kaum eine Möglichkeit durch die dichten Baumkronen hindurch zum feuchten Waldboden zu gelangen. Da war ein schwacher Umriss, rot wie Feuer. Ein Fuchs, der sich im Unterholz versteckte und sich kein Stück regte, als würde er spüren, dass etwas unterwegs war. Etwas oder Jemand.
Die düstere Waldnacht war wie ausgestorben. Das laute Zischen einer Grille war zu hören, welches sich immer wieder aufs Neue wiederholte. Und irgendwo, tief zwischen dem schützenden Grün, regte sich etwas, ein Geheimnis.
Sieben flinke Schatten, die durch das weiche Moos stapften, unterbrachen die Totenstille. Ihre Beine trieben sich wie von selbst an, schneller und schneller, aber dennoch in menschlichen Maßen. Ähnlich wie Fische tauchten sie durch das dichte Gestrüpp, dass sich rings um sie breit legte und stürmten koordiniert in eine Richtung, ganz ohne Worte. Denn sie wussten alle wohin sie mussten. Vor ihnen erstreckte sich ein enomer Fluss, umhüllt von einem dichten Nebelschleier, der so weit in die Ferne reichte, dass es so schien als würde das Gewässer nie mehr ein Ende nehmen. Dennoch konnte man das heruntergekommene Schild noch schwach erkennen, dass ziemlich schief im vertrockneten Erdboden steckte. Die rote Aufschrift war jedoch kaum zu übersehen: „Danger!". Aber die Sieben dachten gar nicht daran inne zuhalten. Stattdessen eilten sie immer zügiger auf den Flusslauf zu. Hinter ihnen war etwas. Etwas, dass sehr nah war. Zwar nicht nah genug, dass man es sehen konnte, wenn man sich umdrehte, aber es war dennoch da.
„Werden wir es schaffen?", fragte eine heisere Stimme, zitternd vor Anstrenung. „Vielleicht", erwiderte die Zweite in einem nüchternen Tonfall.
Schließlich hatten sie das modrige Ufer erreicht. Lautlos lösten sich die Fußsohlen der düsteren Silhoutten vom kalten Moos und sprangen synchron durch den Nebel. Für einen Moment war es, als würde die Zeit gefrieren. Das Rauschen des Flusses, das Zischen der Grille, die Atemzüge des Windes, all Jenes verstummte kurz oder wurde nur gedämpft. Denn als die pelzigen Tatzen, gefährlich wie Klingen, am anderen Ufer aufkamen, erklang das tiefe Heulen der Wölfe, dass den gesamten Wald unter ihren Pfoten erzittern ließ. Und die Menschlichkeit war dahin.

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